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Archive for Únor, 2008

Prag, 31.01.2008

 

Heute Nachmittag reisen wir nach Aussig. Kommen erst spät nach der Lesung dort in der Wissenschaftlichen Bibliothek nach Prag zurück. Morgen früh erwarten mich ein Student und ein Journalist, beide zu wohl sehr unterschiedlichen Interviews. Am Nachmittag treffen wir uns mit František Černý, um mit ihm Lenka Reinerová, die Stifterin meines Stipendiums und Gründerin des Literaturhauses, zu besuchen, Abschied zu nehmen. Und zu einem Abschiedsessen sind wir von Lucie Černohousová geladen. Am Samstag bringt uns der Zug nach Haus. Dankbar klopfe ich auf die alte Schreibmaschine CONSUL mit der tschechischen Tastatur und nehme mir noch Zeit, ein Gedicht abzuschreiben, das in den letzten Tagen entstand:

 

DIE ALTEN DICHTER

 

Sie treffen sich,

unsichtbar neben den Jungen

und verstärken ihr Geschrei:

Hört her! Ich bitte euch,

hört her! Wir sind längst ver-

gangen. Unsere Sünden sind nicht

die euren. Wir drängen uns in

eure Sätze, rauben ihnen den

Halt; wenn Ihr klug seid,

hebt auf, was Ihr für vorüber haltet,

zum Beispiel die alten Dichter in

den Cafés, ihre lauten Geister,

ihr Besserwissen, ihre Klagen,

ihren in Versen geordneten Lärm.

 

Es könnte sein, es ist das letzte in Prag geschriebene Tagebuchstück. Ich zähle mich zu den alten Dichtern, bin aber beileibe noch kein Geist.

Dank sei allen, den Lebenden und den Geistern, die mich in diesen zwei Wochen durch Prag begleiteten.

 

Peter Härtling mit seiner Frau zu Besuch in der Prager Altstadt

Peter Härtling mit seiner Frau zu Besuch in der Prager Altstadt

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