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Archive for Září, 2009

Das erste, was ich hier am Morgen höre, ist ein Lachen. Irgendwer, Charlie Chaplin oder Montaigne oder Reinhard Mey, hat bestimmt einmal gesagt, dass jeder Morgen mit einem Lachen beginnen sollte, aber da wurde wohl ein anderes Lachen gedacht. Das Lachen, das ich jeden Morgen höre, ist kalt und scheppernd und gehässig und sehr ausdauernd – es ist ein durchweg böses Lachen. Die ersten Tage habe ich nicht gewusst, woher das Lachen kam. Ich stellte mir ein kleines Männchen auf dem Fenstersims vor, das sich über  meine Verschlafenheit lustig macht. Ich stellte mir einen schlecht gealterten Clown in meinem Kleiderschrank vor, der nachts heimlich Senf in meine Zahnpastatube gefüllt hat, und es nun nicht mehr abwarten kann. Ich vermutete sogar mich selbst hinter diesem Lachen, meine diabolische und etwas arg perfide Seite, die jetzt in Prag erst richtig zum Vorschein kam.

Erst Tage später entdeckte ich die eigentliche Quelle des Lachens. Direkt vor meinem Fenster erstreckt sich der große Obstmarkt, auf dem zwar pflichtbewusst auch Früchte, aber vor allem allerlei Touristenramsch feilgeboten wird. Zu den beliebtesten Artikel zählen kleine, dramatische Plastikhexen, die auf Knopfruck lachen können. Und das wird sicherheitshalber alle paar Sekunden demonstriert.

Vom Lachen und Nichtvergessen

 

Richtig beruhigt bin ich von der Erklärung aber nicht. Nachts ist der Markt abgebaut, und wer weiß, was die Hexen dann machen. An meiner Zahnpasta rieche ich jedenfalls immer erst ausgiebig.

Reklamy

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Magisches Prag 2

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Wenn man, wie ich gerade, ein paar Tage ganz allein ohne irgendwelche Verpflichtungen geschenkt bekommt, wächst der Druck ins Unermessliche. Drei Romane wollte ich in diesen Tagen mindestens schreiben, dazu einer Handvoll kleiner Artikel für zwischendurch, darüber hinaus galt es natürlich auch, endlich mal wieder auszuschlafen, es galt endlich mal wieder ins Kino zu gehen, es galt, sich endlich mal wieder schon mittags einen Wein zu genehmigen, es galt in Museen zu gehen und auf Hügel zu gehen und Schwimmen zu gehen und endlich mal wieder in Ruhe nachzudenken und endlich mal in Ruhe gar nicht zu denken, sondern einfach zu entspannen, die Dinge kommen zu lassen, und all das war gleich wichtig, und für all das braucht man natürlich eher ein paar Jahre als ein paar Tage, aber wahrscheinlich wäre es auch damit nicht getan, denn wenn man alles auf einmal will, endet man sehr schnell im besten Fall mit einem Wischiwaschi, im schlechtesten Fall mit nichts, und in jedem Fall mit gehöriger Unruhe.

Mich machte diese Unruhe vor allem zum Konsumenten. Im Durchschnitt bin ich am Tag in sechs verschiedenen Cafés und Restaurants, bestelle dort insgesamt im Durchschnitt unzählige Kaffee, etwas mehr zählbare Tee, viel, aber nicht ausreichend Wasser, großzügig Wein und Wodka, dazu ein paar Frühstücks, ein üppiges Mittagessen, das ein oder andere Stück Kuchen und ein angemessenes Abendessen. Hin und wieder gönne ich mir auch auf dem Weg von einem Café ins nächste einen Snack (nichts Großes, einen Apfel, einen Schokoriegel, ein paar Knödel to go). Im Café versuche ich natürlich zu arbeiten, was nicht leicht ist, weil mir andauernd Dinge gebracht werden, weil ich andauernd kauen muss und schlucken muss und bestellen und bezahlen muss. Die meisten Kellner mögen mich. Sie grüßen mich fröhlich, wenn ich hereinkomme und fangen schon einmal an, alle verfügbaren Tassen und Gläser und Teller zu füllen. „Noch ein Kaffee?“, fragen sie, wenn sie die entleerte Tasse abräumen, und manchmal sage ich: „Nein, gerade nicht“, und dann lachen wir beide herzlich und der Kellner bringt mir den nächsten Kaffee. Sie mögen anscheinend auch meinen Humor hier. Wir behandeln uns gut, Prag und ich.

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