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Archive for Říjen, 2009

Na shledanou

Was ich mir in Prag besonders angewöhnt habe, ist das Nuscheln. Das Nuscheln ist sehr praktisch, wenn man eine Sprache nicht beherrscht, nur einzelne Wörter, von denen einem nicht ganz klar ist, wie sie genau ausgesprochen werden. Beim Nuscheln hofft man auf den erklärenden Kontext und eine Mischung aus Vertrauen und Gleichgültigkeit beim Gegenüber, der das Genuschelte nicht als Hilflosigkeit sondern Unachtsamkeit deuten soll. Das funktioniert natürlich nur bei einigen Audrücken, bei „Guten Tag“, bei „Entschuldigung“, bei „Dankeschön“, bei „Ich hätte gern“, bei allen Floskeln, die mehr Geste als Informationsträger sind.

„Auf Wiedersehen“ gehört natürlich auch dazu. Und nun, am Ende meiner Zeit in Prag, achte ich besonders auf diesen Ausdruck, und vielleicht kann ich am Ende meiner Zeit hier auch gestehen, dass ich bis heute nicht genau weiß, wie man es auf Tschechisch ausspricht. Mehrmals, manchmal dutzende Male pro Tag habe ich es gehört, aber es klang jedes Mal anders: „Na schledanou“, „Na skledanou“, „Na Sledanou“, dazu die Abkürzungen „Na skle“, „Na schle“, „Na skla“, „Na sla“ – manchmal bekam ich den Verdacht, auch die Tschechen sind sich über die genaue Aussprache nicht ganz sicher, auch sie würden einfach nuscheln, um nicht zugeben zu müssen, dass sie keine Ahnung haben, wie man es genau ausspricht, und so nuscheln alle einander an, und jeder glaubt dem anderen, und es funktioniert ja auch bestens so. Mir gefällt diese Vorstellung. Es würde zu Prag passen, wie ich es kennen gelernt habe, und das ich nun auch deshalb mit Wehmut verlasse, weil ich vielleicht viel zu wenig mitgenuschelt habe.

Und daher nun zum Abschluss ein beherztes und aufrichtiges und fest geplantes: [’nu:∫ln]!

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