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Archive for Květen, 2010

Český

Es ist jetzt einige Tage her, seitdem wir Weltmeister geworden sind. Erst dachte ich, der Sieg gegen die Sbornaja, der zum Ende des letzten Drittels noch einmal ins Wanken geriet und womöglich nur durch eine dumme Strafzeit des Russen Malkyn nach Hause geschaukelt werden konnte, habe das entspannte Gemüt der Prager nicht großartig anheizen können. Ich lag jedoch falsch. Sehr falsch, wie sich gegen 23:00 Uhr Ortszeit herausstellte. Von da an zogen nämlich die Menschenmassen zum Wenzelsplatz, direkt an meinem Fenster vorbei. Der Zustrom nahm kein Ende; es war, als habe sich ganz Prag in Bewegung gesetzt, um gleichzeitig am selben Ort zu sein und gemeinsam den unerwarteten Ausgang eines Eishockeyspieles zu feiern. Bis 5 Uhr morgens rissen die Český Český Rufe nicht ab. Was zwischendurch geschrien und im Überschwang herausgesungen wurde, flackerte an mir vorüber wie eine schöne fremde Melodie. Ich stand am Fenster und ließ meinen Blick im Menschenstrom mittreiben. Alles rot und blau und weiß und voller Fahnen. Nirgendwo mehr konnte ich einen der Bettler ausmachen, die tagsüber auf den Knien vor den Prachtbauten der Touristenmeile kauern und demütig auf ihre Mützen starren, die sie vor sich hingelegt haben, in der vagen Hoffnung, ein Vorübergehender schmisse ihnen ein paar Kronen da hinein. Nachts höre ich sie manchmal streiten; um Zigaretten oder Schnaps oder Liebe. Ich kann es nicht sagen. Ich horche bloß auf den Klang der Wörter und rieche den Zigarettenrauch, der in mein Zimmer hereinzieht. Die betrunkenen Touristen haben sich dann schon längst ausgegröhlt und liegen in ihren Hotelbetten. Sie schlafen ihren Rausch aus, während die Bettler unten vorm Fenster sich immer weiter in ihren Rausch hineintrinken. Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden. Ein Rausch ist das, der einer ganz elenden Nüchternheit gleichen muss. Ich stand also am Fenster und versuchte, irgendwo einen der Bettler auszumachen und war seltsam erleichtert, als es mir nicht gelang. Vielleicht hatten sie sich an einem geheimen Ort versammelt, um ebenso wie ich die ganze Feierei zu beobachten; und vielleicht machten sie sich auch Gedanken über den Typen da oben am Fenster, der nicht Český Český rief, weil er nie irgendwas ruft oder sagt, auch nicht, wenn er tagsüber an ihnen vorübergeht, als wäre er schwer beschäftigt, der also nichts tat, als in die glitzernde Nacht hineinzustarren.

Vielleicht wussten sie gar nicht, dass sie Weltmeister geworden waren; und ich wusste es auch nicht mehr, aber ich trage jetzt immer Kleingeld in meiner Hosentasche mit mir herum.

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Zatracené básně

Pomalý příjezd do zničeného města: tak začíná (nebo končí?) nějaká báseň, jenom už nevím, od koho je. Od Grünbeina? Beyera? Klinga můžu vyloučit (což značí, že s největší pravděpodobností bude autorem on); ten by ale do zničeného města nepřijížděl pomalu, nýbrž hodně rychle. Nemůžu ale tenhle verš dostat z hlavy. Tím spíše, že se právě nacházím v prostředí, jež je cokoli, jen ne zničené. Část Prahy obklopující Staroměstské náměstí je zařízená pro turisty. Ne že by to bylo špatně. I já jsem svého druhu turista. Tíhnu ovšem ke zničenému, a nedokážu se od toho oprostit. A tak se víc a víc pohybuji v soustředných kruzích kolem centra. Protože na okrajích se dá poznat, co město ve svém centru zamlčuje. Často to nebývá mnoho. Právě to nejběžnější. A že město v jeho nejniternějším nitru drží pohromadě to zamlčované, k tomuto závěru bych nerad dospěl. Když se ale pohybuji pryč od vnitřního jádra, jsou možné věci, které by mi jinak byly značně ztíženy: vidět & slyšet. A takto vyzbrojen okem a uchem, chodím po světě úplně jinak. Už nejsem zastrašený dojmy, které se nespoutaně rojí ve vzduchu všude kolem. Chodím s otevřenou hlavou (teď si vzpomínám, jak jeden můj kamarád, ještě když jsem byl dítě, spadl jednou z okenní římsy a týlem narazil na dlažbu; sešili mu to a on se pak svou jizvou chlubil, ale já jsem se na moment mohl podívat do díry v hlavě v jeho hlavě a viděl jsem bílou a šedou; a okamžitě jsem měl strašný strach z děr v hlavě).

Takže: s otevřenou hlavou. To ale neznamená nic jiného, než být úplně při sobě a zároveň mimo sebe sama. Pochůzky po perifériích města jsou tak jistým předstupněm nebo již začátkem psaní básní. Protože i tam je člověk zároveň úplně při sobě a mimo sebe sama. Pomalý příjezd do zničeného města: bohužel ta řádka nepochází ode mě. Musím se jí tudíž nějak zbavit, pokud mi má, co možná nejdřív, jít hlavou zase nějaká moje vlastní řádka. Ty zatracené básně mě ale poslouchají málokdy. Skoro pokaždé se honí tam, kde je člověk očekává ze všeho nejmíň. Proto mi musí pomoct pražské periférie, zahnat ty cizí duchy, aby ke mně moji našli cestu.

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Die verdammten Gedichte

Langsame Einfahrt in die zerstörte Stadt: so beginnt (oder endet?) irgendein Gedicht, ich weiß bloß nicht mehr genau, von wem es stammt. Grünbein? Beyer? Kling kann ich ausschließen (was darauf hindeutet, dass er mit der höchsten Wahrscheinlichkeit der Urheber ist); der wäre nicht langsam in eine zerstörte Stadt eingefahren, sondern sehr schnell. Ich kriege diese Zeile aber nicht aus meinem Kopf. Umso weniger, da ich mich gerade in einer Umgebung befinde, die alles andere als zerstört ist. Der vom Altstädter Ring eingeschlossene Teil Prags ist für die Touristen hergerichtet. Nicht, dass das schlimm wäre. Ich bin ja selbst eine Art Tourist. Allerdings habe ich einen Hang zum Zerstörten, den ich nicht abstellen kann. Und so bewege ich mich mehr und mehr in konzentrischen Kreisen um den Stadtkern herum. Denn an den Rändern kann man erkennen, was eine Stadt in ihrem Innersten verschweigt. Oft ist das nicht viel. Sondern eben das Übliche. Und dass das Verschwiegene eine Stadt in ihrem Innersten zusammenhält, zu dieser Schlussfolgerung möchte ich mich gar nicht versteigen. Wenn ich mich aber wegbewege vom inneren Kern, sind mir zumindest zwei Dinge möglich, die mir ansonsten sehr erschwert werden: sehen & hören.

Blog 3

Und solchermaßen mit dem Auge und dem Ohr bewaffnet, gehe ich ganz anders in der Welt herum. Nicht mehr eingeschüchtert von den Eindrücken, die ungebündelt überall in der Luft umherschwirren. Sondern mit einem offenen Kopf (da kommt mir in die Erinnerung, wie ein Freund von mir, als ich noch ein Kind war, einmal von einem Fenstersims stürzte und mit dem Hinterkopf auf den Pflastersteinen aufschlug; er wurde genäht und trug seine Narbe voller Stolz, ich aber hatte kurz durch das Loch im Kopf in seinen Kopf hineinblicken können und sah das Weiße und das Graue; und ich hatte fortan fürchterliche Angst vor Löchern im Kopf).

Also: mit offenem Kopf. Das heißt aber nichts anderes, als ganz bei sich und gleichzeitig außerhalb seiner selbst zu sein. Die Gänge an den Rändern der Stadt sind somit eine Art Vorstufe oder schon der Beginn des Schreibens von Gedichten. Denn auch dort ist man gleichzeitig ganz bei sich und außerhalb seiner selbst. Langsame Einfahrt in die zerstörte Stadt: leider ist die Zeile nicht von mir. Ich muss sie also irgendwie loswerden, wenn mir wieder, möglichst bald, eine eigene Zeile im Kopf herumgehen soll. Die verdammten Gedichte hören aber nur selten auf mich. Sie treiben sich fast immer dort herum, wo man sie am wenigsten erwartet. Deshalb müssen mir nun die Prager Außenbezirke helfen, die fremden Geister zu vertreiben, damit die eigenen zu mir finden können.

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Studená husa

Rukou anonymního aranžéra

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Kalte Gans

Blog 4

Von der Hand eines anonymen Arrangeurs

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Mein guter Receptionist

Der Mensch denkt immer gleich, dass er stirbt. So auch ich. An einem der ersten Abende meines Aufenthaltes verfiel ich auf die kümmerliche, mir aber in dem Moment ganz lebensfroh erscheinende Idee, in meiner kleinen Küche einen Salat zuzubereiten. Ich hatte tagsüber das Supermarktangebot sondiert und mich mit den nötigen Grundnahrungsmitteln eingedeckt. Ich bin eben doch der typische Nestbauer. Aber schon das Kleinschneiden des Salatkopfes misslang. Ich hatte die Schärfe fabrikneuer Messer unterschätzt und den schrägen Zuschliff der Klinge. Allerdings hätte ich auch nicht unbedingt ein Steakmesser für diese simple Tätigkeit verwenden müssen. Das Sinnieren half nichts mehr, die halbe Fingerkuppe war ab. Zumindest der Blutfluss legte eine besondere Schwere der Verletzung nahe. Innerhalb kürzester Zeit blutete ich alle vorhandenen Pflaster und Papiertücher restlos voll. Aber ich bin ein Mensch, der Blut sehen kann ohne umzukippen; und selbst die immer wieder aufs Neue einreißende Wunde, dieser feine Schmerz, der einen an seine Nervenbahnen erinnert, bereitete mir eine zwar merkwürdige, doch spürbare Freude. Es wurde später und ich wollte auf keinen Fall das Bett vollbluten. Man kann den Eindruck, den man dadurch hinterlässt, nur schwerlich wieder wettmachen. Und Erklärungen auf Tschechisch, die ich dann der Putzfrau, die jeden Tag aufopferungsvoll mein Chaos zusammenräumt, hätte machen müssen, sind noch immer nicht meine Stärke. Was also tun?

Ich ging zu Jaroslav. Jaroslav ist mein Receptionist, mein guter Receptionist. Als ich am ersten Tag eincheckte, erfreute er mich bereits mit der Nachricht, er sei vor ein paar Jahrzehnten einmal in Leipzig zu Besuch gewesen. So etwas schafft gleich Verbundenheit, stellte ich mir doch Jaroslav vor, wie er, im damals noch vollkommen ruinösen, unter einer gelblichen Dunstglocke steckenden Leipzig seine Runden drehte und womöglich an meiner zukünftigen Wohnung vorbeikam wie einer, dessen Vorahnungen ihn sicher durch die Welt leiten. Ich ging also hinunter zu Jaroslav an die Reception, in der Hoffnung, er könne mich mit Pflastern versorgen. In dem etwas zerriebenen Schuhkarton, den er aus der Abstellkammer heranschaffte, fanden sich Mullbinden und Ampullen mit unbekanntem Inhalt, Einwegspritzen und Zungenstäbchen – jedoch kein einziges Pflaster. Jaroslav fragte mich, in seinem vom Akzent schöngeschliffenen Deutsch, ob ich denn gegen Tetanus geimpft sei, dann würde ich sicherlich nicht sterben. Manche Menschen haben die Fähigkeit, einen durch ihre Worte in einen Zustand der Zuversicht zu versetzen; und Jaroslavs gutmütiges Gesicht, sein umständliches Gestikulieren, das mich ein wenig an das meines Vaters erinnerte, taten ein übriges, um mich beschwingt in meine Wohnung zurückkehren zu lassen. Dort merkte ich dann erst, dass ich gar keine Zuversicht gebraucht hätte, weil ich nämlich nicht unzuversichtlich, sondern nur auf der Suche nach einem Pflaster gewesen war. Stattdessen stellte sich nun Unbehagen ein; in den dunklen Räumen meiner Wohnung hallte Jaroslavs Frage dunkel nach. War ich denn tatsächlich gegen Tetanus geimpft? Und was sollte an Tetanus überhaupt so schlimm sein? Das war doch auch wieder nur eine von den Geschichten (eines der Wörter), mit denen man Kindern Angst einjagt. „Wenn du dich nicht impfen lässt, holt dich der Tetanus!“ Wikipedia allerdings förderte es zutage. Das ganze grausige Bild. Ich las von grippeähnlichen Anfangssympthomen, vom Teufelsgrinsen, das sich einstellt, weil die Kiefermuskulatur verhärtet, von einer Überspannung der langen Rückenmuskulatur, die schnell mal zum Wirbelbruch führen kann und schließlich vom Tod durch Ersticken. Danke, Jaroslav. Der Mensch denkt immer gleich, dass er stirbt. Und er hat damit, auf lange Sicht, vollkommen Recht. Ich aber war froh, als ich, nach langen Telefonaten und offen zur Schau gestellter Verzweiflung, herausfand, dass ich doch gegen Tetanus geimpft war. Geimpft bin. Als mich am nächsten Morgen Jaroslav zum Frühstück begrüßte, sagte ich ihm, ich hätte prächtig geschlafen, das Bett sei aber dennoch vollgeblutet. Das macht nichts, sagte Jaroslav, solange wir noch bluten, ist alles in bester Ordnung. Mein guter Receptionist!

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chodit dýchat mlčet

Odjakživa jsem byl vytrvalý chodec. Ať jsem byl kdekoli, chodil jsem na procházky. Přičemž se mé chození často podobalo spíš běhu. I tady chodím pražskými ulicemi a uličkami jako netrénovaný, ale pořád ještě ctižádostivý běžec na dlouhé tratě. Ovšem můj běh někdo ustavičně přerušuje – lidé, kteří mě oslovují. Ptají se mě na cestu, žádají drobné na telefon, cigarety a jiné drogy, kolik je hodin atd. Zvláštní na tom je: Jinak cizí lidé na ulici nikdy neoslovují nikoho jiného. Přinejmenším, když já jsem v bezprostřední blízkosti. Kromě toho se na mě skoro bez výjimky obracejí v češtině. To je pro mě samozřejmě na jednu stranu čest. Na druhou stranu mě to však tím víc mate, nejen proto, že bohužel vůbec neumím česky (což se musí změnit), ale i proto, že se ptám, proč mě lidé evidentně identifikují jako Čecha, ne-li dokonce jako Pražana. Vždycky je mi to trochu líto, když je musím nakonec zklamat a ukázat se jako ten, kterým jsem. Nikdo z místních, ale Sas bez znalosti místního jazyka. Když jde o turisty, kteří máchají mapou a ptají se na cestu, ty mohu s klidným svědomím nasměrovat anglicky, i když sám sotva tuším, kam asi dojdou. Bohužel to ale nevyjde pokaždé. Cestující s orientačním smyslem se dají jen ztuha poslat do neznáma. Šelest té spousty slov je často podmanivý a mlčení pak tou lepší alternativou; protože v mlčení zřejmě spočívá více pochopení. Když jsem onehdy šel směrem na Malou Stranu po Mostě Legií, který je mi mnohem milejší než Karlův most s jeho mohutnými asociačními řetězci, narazil jsem na dodávku, která zablokovala chodník. Mezi autem a zábradlím na mostě zůstala úzká škvíra. Pode mnou, na Střeleckém ostrově, kvetly matně bíle kaštany a přede mnou se prodírala skulinou žena s kočárkem. Nejdřív jsem jí chtěl přispěchat na pomoc, ale v jejím pohledu jsem jasně zaznamenal vůli k sebeurčení. Nechal jsem ji na pokoji a díval se, jak ostrými hranami kočárku rozdírá lak na dveřích dodávky. Takhle to tedy taky jde, pomyslel jsem si, a když mě s kamenným pohledem míjela, šlehl jsem po ní stejně kamenným pohledem. Na malou chvíli jsem se teď opravdu tvářil jako místní. Ctižádostivý běžec na dlouhou trať ve mně rezignoval. Dýchalo se mi lehčeji a lehkými kroky jsem pokračoval ve své cestě, podél Hladové zdi a nahoru do kopce k Růžové zahradě.

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