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Archive for the ‘Andreas Martin Widmann’ Category

Nach einer kurzen Lesereise nach Olomouc bin ich übers Wochenende in Berlin gewesen. Von dort fuhr ich abermals mit dem Zug nach Prag, dieses Mal kam ich in der Dämmerung an und kannte den Weg schon. Der Himmel über den Dächern hatte die Farbe von glühendem Eisen, die Wolken die von kalter Schlacke. Obwohl ich gerne länger hier bliebe, gibt es einen Anlass, schon bald zurückzukehren in die deutsche Stadt, aus der ich komme. In einem Prager Tagebuch soll sie ungenannt bleiben. Wie schon vor vier Jahren wird man mir einen Preis, für den ich dort nominiert bin, auch in diesem Jahr nicht geben. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, heißt es und die Wahrheit dieses Sprichworts kann meine eigenen Worte zuletzt zu einer Prophezeiung erhöhen. Was ich in dieses anfangs leere Buch geschrieben habe, wäre somit Wirklichkeit geworden. Eine wunderbare Aussicht, um nicht zu sagen: eine ganz und gar phantastische!

 

Dass der Musikkassette eine ähnliche Wiederkunft bevorsteht wie die Schallplatte sie erfahren hat, ist unwahrscheinlich. Zumindest als primärer Tonträger hat sie nie ein vergleichbares Ansehen genossen. Kassetten waren dazu da, dass man Schallplatten oder CDs darauf überspielte, und das ist schon mal keine ideale Startvoraussetzung. Andererseits war und ist die Kassette dadurch sehr variabel und die Möglichkeit, sie zu gebrauchen, um mit schon Vorhandenem selbst etwas auszudrücken, hat sie sogar der CD voraus. Die gebrannte CD wird nie das gleiche sein können, wie das klassische Mix-Tape. Weil das auch einige digitale Menschen begriffen haben, kann man mittlerweile USB-Sticks in Kassettenhülle kaufen. Das ist dann doch eine Art Rückkehr, etwa so, als würde man dieses elektronische Tagebuch, das hier endet aber prinzipiell unendlich ist, als e-book mit einem Leinenumschlag und einem kleinen roten Lesebändchen versehen.

 

„Zuletzt ließen sie mich gehen. Sie hatten mich in ein Nebenzimmer gewinkt, das von klaustrophobischer Kahlheit war und an die Umkleidekammer einer Schulturnhalle erinnerte, dort wünschte ein deutlich älterer Offizier meine Papiere zu sehen. Er meinte damit nicht meinen Ausweis, sondern das Vortragsmanuskript, das ich in einer grauen Schachtel bei mir trug. Ich übergab sie ihm, er hob den Deckel ab und ließ den Blätterstoß auf den Tisch, an dem er saß, rutschen. Schweigend wandte er die Seiten um, hier und da einen Satz lesend. ‚Sie möchten in einem befreundeten Staat über Kafka sprechen‘, sagte er. ‚Halten Sie ihn für einen politischen Autor?‘ – ‚Vieles, was er schrieb, gilt als prophetisch‘, sagte ich. Dass die einzige Strategie, um ein solches Gespräch zu bestehen, darin besteht, Antworten zu geben, die bei der nächsten Frage in die eine Richtung genauso gut wie in ihr Gegenteil gedeutet werden kann, hatte ich inzwischen gelernt. ‚Soweit ich weiß, lebte Kafka in Prag, in einer Stadt, die zu den Staaten des Warschauer Pakts gehört. Sind Sie der Meinung, er habe die Wirklichkeit dort schreibend vorweg genommen?‘ – ‚In Kafkas Romanen und Erzählungen kommt Prag, die Stadt, die ihn geprägt hat, nie namentlich vor‘, sagte ich. Es war die Wahrheit. Wer auf konkrete Verweise aus ist, muss in seinen Tagebüchern suchen.

 

Grob wischte der Offizier, stehend jetzt, das Papier zusammen und stopfte es so in die Schachtel, dass die Blätter sich gegenseitig im Weg waren und verknickten. Eine Geste hieß mich, die Kabine zu verlassen. Im Zug, der mich Prag näher brachte, sortierte ich die Seiten neu. Aus Nachlässigkeit hatte ich sie nicht nummeriert, doch die letzte Seite fand ich als erste wieder, denn sie ist leer bis auf die Worte, mit denen ich schließen werde. Am 29. September 1911 notierte Kafka in seinem Tagebuch: ‚Ein Mensch, der kein Tagebuch hat, ist einem Tagebuch gegenüber in der falschen Position.‘“

Reklamy

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Zu den am häufigsten fotografierten Stellen Prags gehört die astronomische Uhr am Turm des Rathauses. Zu den meisten vollen Stunden bilden deshalb Touristen einen Halbkreis auf dem Altstädter Ring und halten ihre Kameras bereit, um die Prozession der Holzheiligen, die kurz vor dem Glockenschlag beginnt, abzufotografieren oder zu filmen. Dass es in dieser Stadt aber buchstäblich an jeder Ecke eine öffentlich aufgestellte Uhr gibt, fiel mir erst nach ungefähr einer Woche auf. Seitdem achte ich darauf. Hinsichtlich ihrer Funktion habe ich noch keine verlässlichen Informationen, mir gefällt aber die Vorstellung, dass es eine kulturhistorische Bewandtnis damit hat, die über die Tugend der Pünktlichkeit hinausreicht. Einige der Uhren sind sehr alt, wie wäre es also, wenn sie von den Bürgern angebracht worden wären, um den jeweiligen Besatzern und Beherrschern der Stadt zu signalisieren, dass ihre Zeit begrenzt ist?

 

Wie überall in der Welt stammt vieles, das in Prag touristisch vermarktet wird, aus einer anderen Zeit und die Erfahrung des Anachronistischen ist für viele Reisende ja erst der Grund, irgendwohin zu fahren. Ein besonderes Erlebnis dieser Art hatte ich beim Stöbern in einem Musikladen unweit des Wenzelsplatzes, der gerade sämtliche Artikel zum halben Preis anbietet. Dort fand ich in einer Kiste das Album Magnification der Band YES als Musikkassette (!), die ich für den Preis eines Cheeseburgers erstand. Ich tat es aus dreifacher Solidarität, nämlich gegenüber 1) dem Laden, 2) YES, deren frühe Alben ich mit 17 kaufte und viel hörte, und 3) dem Format Kassette. Zumindest die ersten beiden Einrichtungen brauchen dringend Geld, so dringend, dass sie ihre Bestände verramschen müssen, indem sie alles für die Hälfte abgeben, oder, wie die Progrocker, zur Zeit mit einem Ersatzsänger auf Tournee gehen, der über youtube gefunden wurde.

 

Das Erlebnis erinnerte mich auch daran, dass ich schon lange vorhabe, einen Essay über ausgestorbene und veraltete Speichermedien zu schreiben. Ein anderes Essaythema, das sich beim Hören von Magnification selbst stellt, ist kreativer Niedergang in der Popmusik. Wie auch immer, mit dieser Kassette habe ich in der letzten Woche viel Zeit verbracht und die Musik gehört für mich schon jetzt zu Prag, obwohl sie keine echte Schrammelmusik ist.

 

Blog 1

 

Das letzte Stück trägt übrigens den tautologischen, aber treffenden Titel „Time is Time“.

 

Das Recht der Persönlichkeit, das geschützt werden soll, spielt auch eine Rolle, aber es muss in jedem Fall klar sein, unter welchen Umständen ein Foto zustande kam, andernfalls kann ein Foto allein der gerichtlichen Wahrheitsfindung nicht dienen. Dahinter stehen Zweifel an der Zuverlässigkeit eines Mediums. Welche Verlässlichkeit Tonbandaufnahmen zugebilligt wird, ist ebenfalls unterschiedlich. „Es gehört ja alles zum Gericht“, heißt es in Kafkas Der Proceß, aber natürlich kommen die von Friedrich Kittler so bezeichneten Aufschreibesysteme nicht nur vor Gericht vor, und jenseits davon umgibt sie ein anderes Verständnis von Wahrheit. Die Geschichtsschreibung befindet sich allerdings in einer ähnlich schwierigen Lage, wenn die Zuverlässigkeit und Manipulierbarkeit von Dokumenten einzuschätzen ist, damit Historiker zu ihren Urteilen gelangen können. Davon abgesehen haben Medienformate so etwas wie eine Aura und ein Ansehen. Manuskripte oder Fotografien können eine solche besondere Aura besitzen, das Ansehen des Mediums Musikkassette ist dagegen in der westlichen Welt momentan sehr gering. Andere obsolet gewordene Formate wie Cartridge oder eine Totgeburt wie die Laserdisc haben nicht einmal schlechtes Ansehen, weil sich niemand an sie erinnern kann.

 

„›Ich möchte einreisen, um an einer literaturwissenschaftlichen Tagung über das Thema Das Tagebuch als literarisches Genre? teilzunehmen‹, sagte ich, als ein junger Grenzbeamter sich meinen Pass besah. ›Bis wohin reisen Sie?‹ fragte er, noch immer in dem Ausweis blätternd. Offenbar hatte er den Stempel bemerkt, der vor zwei Jahren in Kuba hineingesetzt worden war. ›Bis Prag‹, erwiderte ich. ›Die Konferenz findet dort statt.‹ – ›Dann halten Sie sich nur auf der Durchreise in der Deutschen Demokratischen Republik auf‹, stellte er fest. Mir erschien es angebracht, dies mit einem Wort zu bestätigen. „Yes“, sagte ich. Nicht, weil es sachlich nötig gewesen wäre, sondern weil ein Schweigen schon als Widerspruch hätte gedeutet werden können. Dieser junge Mann konnte allenfalls halb so alt sein wie ich selbst. Er überragte mich fast um einen Kopf, ich hatte meine Augen auf den Kragen seiner Uniform gerichtet. Während er meinen Pass einem anderen Grenzkontrolleur in der hölzernen Kabine weiterreichte und ich noch immer unter dem großen, über mir hängenden Spiegel wartete, musste ich an den jungen Mann auf dem Foto in der Zeitung denken. Damals habe die Welt auf der Kippe gestanden, befanden die Historiker, die zu den Ereignissen im Herbst 1989 befragt wurden, in seltener Einstimmigkeit. Nicht wenige wagten sich an Spekulationen darüber, was hätte geschehen können. Ein Ende der deutschen Teilung hätte auch das Ende des kalten Krieges bedeutet, erklärt einer, und entwirft eine Welt, in der es in Leipzig, Prag und Moskau McDonalds gibt. Andy Warhol hätte das sicher gefreut, wäre er noch am Leben.“

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Mauerbilder

Zu den wenigen Dingen, die ich nach Prag mitgenommen habe, gehört eine Steckerleiste, die es mir ermöglichen sollte, auch mal bei eingeschalteter Schreibtischlampe Musik zu hören, den Laptop mit Netzteil zu betreiben und gleichzeitig den Akku meiner Kamera frisch aufzuladen. Das war überflüssiges Gepäck. In meinem Zimmer gibt es 26 feste Steckdosen und eine Steckerleiste ist außerdem vorhanden.

 

Blog 2

 

Beim Spazierengehen in der Josefstadt entdeckte ich dann tatsächlich an einer Hauswand dieses Werk eines unbekannten Meisters. Ich halte das für witzig und machte deshalb ein Foto, das ich eines Tages in das kleine Ringbuch einkleben werde. Anschließend aß ich zwei oder drei Ecken weiter in einem chinesischen Restaurant zu Mittag. Als Vorspeise bekam ich eine Prager Frühlingsrolle. Sie kostete so viel wie ein Cheeseburger. (Genau wie in einem richtigen Tagebuch oder in meinem Notizbuch kann ich hier zu Streichendes wirklich durchstreichen, als hätte ich mich entschieden, einen Satz, den ich geschrieben habe, doch nicht zu bringen.) In den spätmittelalterlichen Gewölberäumen des Carolinums sah ich dann eine Fotoausstellung über die Protestkundgebungen von 1968 und 1989, die dort in einer Art Parallelmontage durch Bilder einander gegenübergestellt sind. Unterscheiden ließen die Vorgänge sich, so kam es mir zumindest vor, am ehesten an der Kleidung der Demonstrierenden, nicht aber an den Uniformen der Soldaten und Polizisten, sofern welche zu sehen waren.

 

Dass Sprache Wirklichkeit nicht festhalten kann, wissen wir. Dass Sprache Wirklichkeit überhaupt erst erschafft, erleben wir täglich, nicht nur beim Lesen der Zeitung oder vor Gericht. Während in der Zeitung aber Fotos die Wahrheit dessen, was dort geschrieben wird, bezeugen sollen, sind sie in Deutschland als Beweismittel vor Gericht nicht ohne Weiteres zulässig.

 

Die Amerikaner verlor ich bald nach dem Aussteigen in Praha Holesovice aus den Augen. Auf dem Bahnsteig tönten noch einige Durchsagen auf Tschechisch und Deutsch aus den Lautsprechern, danach war ich selbst einer, der die Sprache des Landes, in das er gefahren war, nicht verstand. Erst nach der Fahrt ins Hotel kam ich wieder zum Schreiben: „Die Deutschen verraten sich im Ausland ja weniger durch ihre Physiognomie als durch ihre Art, sich zweckmäßig zu kleiden, etwa mit Windjacken und Rucksäcken in der Stadt. Die Frauen haben oft kurze Haare und forsche Brillen, die Männer Stadtpläne und Wasserflaschen in den Netztaschen ihrer Rucksäcke, und an den Halteschlaufen in der U-Bahn hängend lesen sie ihren Frauen vor, welche Stationen noch kommen bis zu ihrem Ziel, meistens einem Museum. In Westberlin, das in diesen Tagen viel besucht ist, waren viele von ihnen und sie wirkten wie Fremde im eigenen Land. Die Frankfurter Allgemeine, die ich dort gekauft hatte, steckte ich noch vor der Passkontrolle in meine Aktentasche. Als Amerikaner erwartete ich ohnehin langwierige Befragungen über den Zweck meiner Reise, selbst wenn es heißt, dass zwanzig Jahre nach den Ereignissen, die jetzt wieder in aller Munde sind, die Beziehungen wieder dabei sind, sich zu normalisieren. Die Titelseite der Zeitung wird bestimmt von einem Foto, aufgenommen am 9. November 1989. Es zeigt, wie Beamte der Grenzpolizei einen Exhibitionisten abführen. Warum die Redakteure dieses Bild ausgewählt haben, ist nicht schwer zu verstehen. Es dokumentiert zwar nicht die Haupt- und Staatsaktionen und ist vielleicht weniger geschichtsträchtig als das gramgefurchte, über Nacht gealterte Gesicht Helmut Kohls, wie es sich den Fotografen präsentierte, nachdem bekannt geworden war, dass in Leipzig auf Demonstranten geschossen wurde und es Tote gegeben hatte, doch ist es ein Sinnbild für das Vorgehen eines zu allem entschlossenen Systems und die Nacktheit dieses einen Demonstranten, der aus der Reihe tanzen wollte – ein Mitarbeiter der Stasi namens Klaus U., wie sich herausstellen sollte – bringt das alles deutlicher zum Ausdruck als Worte es vermögen.“

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Wir sind im Jahr 2009 und irgendwo soll Gorbatschow auf die Frage, ob er als Kremlführer noch einmal genauso handeln würde, wenn er seinerzeit geahnt hätte, wohin seine Politik führen würde, mit einem zögerlichen „Wahrscheinlich nicht“ geantwortet haben. Ein Tagebuch wird in diesen Tagen ohne Weiteres zum Jahrestagebuch. Ist das Tagebuch eigentlich eine literarische Gattung? Wenn es geschrieben wird, um von anderen gelesen zu werden, vielleicht schon. Wenn nicht, und andere lesen es trotzdem, ist es dann ohne Absicht Literatur? Diese Frage stellte ich mir einige Zeit vor meiner Abreise nach Prag, schrieb sie auch gleich in mein Notizbuch, und also begann dieses Tagebuch schon vor dem ersten Tag in Prag. Vor einem, was ich da noch nicht wusste, Montag, an dem die Dächer, auf die ich vom Schreibtisch meines Zimmers aus schauen kann, nicht trocken wurden, und in dessen Verlauf ich bis zum Mittag die nähere Umgebung meines Quartiers in der Altstadt erkundete, aus vom Zufall geweckter Neugier den aktuellen Cheeseburgerkurs (20 Tschechische Kronen, d.h. ca. 90 Eurocent) in Erfahrung brachte und mich ansonsten kaum vom Schreibtisch wegrührte, um sicher sein zu können, dass der Regen tatsächlich nicht nachließ. Während der Reise von Frankfurt hierher schien noch die Sonne bis sie unterging. Sie schien nicht nur, es war auch zu sehen. „Am heutigen Sonntag beginnt der größte Ausverkauf der deutschen Geschichte“ las ich auf der Titelseite der FAZ, kaum dass der Zug Hanau hinter sich gelassen hatte. Offenbar ist die Konkursmasse von Quelle größer als die der DDR.

 

Am Anfang von Michael Kleebergs Roman „Ein Garten im Norden“ kommt ein deutscher Schriftsteller nach Prag und erhält, unter dem verstörenden Sinneseindruck stehend, der sich seiner beim Lesen der Namen der in Terezín ermordeten Juden in der Pinchas Synagoge bemächtigt hat, in einem Antiquariat ein Buch mit leeren Seiten geschenkt. Der Antiquar versichert, dass alles, was der Schriftsteller in das Buch schreibe, in aller Konsequenz Wirklichkeit werde. Ich habe zwei leere Bücher geschenkt bekommen: Vorige Woche ein Notizbuch, weil ich ein Jahr älter geworden bin und mein altes gerade voll war (das Notizbuch und das Jahr) und, am Montag, ein Ringbuch des Prager Literaturhauses. Letzteres werde ich wahrscheinlich einmal als Fotoalbum benutzen, als Tagebuch ohne Worte bzw. Wörter. Welches kann zuverlässiger sein, welches mehr Wirklichkeit enthalten?

 

Den ersten Satz dieser Erzählung schrieb ich im Zug zwischen Bad Schandau und Usti nad Labem: „Mein Deutsch ist das Deutsch eines Germanisten, der an der Universität gelernt hat, sich in einer Sprache auszudrücken, die nicht seine erste ist.“ Draußen war es so dunkel, dass ich die Landschaft und Städte, durch die ich fuhr, nicht sehen konnte, das Zugfenster zeigte mir mein Spiegelbild. Zwei Amerikaner waren die einzigen anderen Passagiere im gleichen Abschnitt des Wagons. Etwas stimmte nicht mit ihrer Fahrkarte, offenbar hatte die Schaffnerin einen von Ihnen gebeten, während des Halts in Dresden ein gültiges Ticket zu kaufen. Jetzt saß er wieder an seinem Platz, neben einem anderen, der kein Wort sagte, und erklärte, man habe ihm keine Fahrkarte geben können, weil es unmöglich sei, rückwirkend von Berlin, wo sie eingestiegen seien, eine Passage zu kaufen, die schon begonnen habe. Er sprach Englisch. „Wenn ich unter Deutschen bin und deutsch spreche, kann ich mir meine Nationalität beinahe beliebig aussuchen. Sie nehmen einen leichten Akzent war, der sich aber nicht gleich einordnen lässt.“ Der Rand der Fahrplanbeilage, auf den ich gekritzelt hatte, war voll. Ich kramte zwischen den übrigen Büchern, die ich als Lektürevorrat mit auf die Reise genommen hatte, nach meinem Notizbuch, um darin weiterschreiben zu können, während die Schaffnerin nickte, den Kopf schüttelte, mitunter beides zugleich. „Ich könnte Schweizer sein und fürs deutsche Fernsehen arbeiten.“

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